Billigflieger - Risiko oder nicht?

Die Top 5 der europäischen Billigfluggesellschaften

Billigflieger wie EasyJet haben den Luftverkehrsmarkt nachhaltig verändert. Compensation2Go Magazin
Inhaltsverzeichnis
    Die erste Billigfluggesellschaft wurde bereits 1949 mit der Pacific Southwest Airlines gegründet. Die Low-Cost-Airlines sind also schon lange am Markt. Trotzdem scheint der richtige Durchbruch erst nach der Jahrtausendwende gekommen zu sein.

    Das Low-Cost-Konzept

    Einer der Pioniere im Billig-Flug-Segment ist die 1967 gegründete amerikanische Southwest Airlines. Das Konzept zur extremen Kosteneinsparung, um möglichst billige Flugtickets anbieten zu können, stammt von ihr und wurde u.a. von Ryanair und easyJet übernommen. Das Motto „no frills“ fasst die Idee zusammen: Verzicht auf Luxus und Komfort sowie konsequente Kosteneinsparung, wo es nur geht. Das heißt: keine Beinfreiheit beim Sitzen, keine Verpflegung während des Fluges, kein Entertainment-Programm und zusätzliche Gebühren für Gepäck und Extras. Darüber hinaus spezialisieren sich die meisten Billigflieger auf einen Flugzeug-Typ, um bei Reparatur und Instandhaltung zu sparen. Alles ist auf möglichst hohe Effizienz ausgelegt und die Kosten werden am unteren Limit kalkuliert. Daher sollen die Maschinen beispielsweise so wenig Zeit am Boden wie möglich verbringen, da die reine Standzeit dem Unternehmen keinen Gewinn bringt, sondern noch Kosten verursacht.

    Die Top 5 der europäischen Billigflieger

    Fluggesellschaft Passagierzahlen in Millionen (2016)
    Ryanair 101,4
    easyJet 69,9
    Norwegian Air Shuttle 29,3
    Vueling 24,8
    Wizz Air 20,2
    Southwest Airlines (amerikanisches Vorbild) 158

    Probleme für Billigfluggesellschaft

    Der Flugmarkt ist ein herausforderndes Investitionsfeld. Er ist einerseits sehr kapitalintensiv und andererseits können Marktanteile hauptsächlich mittels Preisdumping erkämpft werden. Dabei ist die Gewinnmarge mit 3-4 % sehr gering. Zusätzlich verdichtet sich der Markt zusehends in dem Sinne, dass sich immer mehr Fluggesellschaften in Allianzen, wie der Star Alliance oder One World, organisieren. Durch die Preiskalkulation am Limit und eine andere Kostenstruktur als bei klassischen Fluglinien können die Low-Cost-Airlines steigende Kerosinpreise kaum abfedern. 40 % des Ticketpreises entfallen auf die Kosten für das Kerosin. Dadurch sind sie gezwungen, sich ausschließlich auf möglichst lukrative Strecken zu konzentrieren sowie kleinere und billigere Flughäfen anzufliegen. Die finanzielle Belastung durch die entstehenden Kosten der Umbuchungen bei Flugausfällen oder hohen Verspätungen tritt in den letzten Jahren noch verstärkend hinzu.

    Probleme bei Billigfluggesellschaften: Ausgenutzte Mitarbeiter

    Sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter bringt diese absolute Preisorientierung Schwierigkeiten mit sich. So arbeitet das Flugpersonal häufig unter zweifelhaften Bedingungen: Es werden kaum bis keine Spesen von der Firma übernommen, sondern die Mitarbeiter müssen viele Kosten im Arbeitsalltag wie Flughafen-Ausweis, Uniform, Taxi- und Hotelkosten selbst tragen. Bei Ryanair sind die Arbeitsbedingungen schon seit einigen Jahren so schlecht, dass Konkurrent Norwegian Air Shuttle problemlos letztes Jahr 140 Piloten abwerben konnte. Auch die Streiks der Ryanair-Piloten im Sommer 2018 sind ein Zeichen dafür. Denn: Die Piloten sind größtenteils gar nicht bei Ryanair angestellt und darüber versichert, sondern mussten ein Gewerbe in Irland anmelden, das Ryanair dann ihre Arbeit als Dienstleistungen anbietet. So spart Ryanair sich die Sozialabgaben für die Piloten.

    Weitere Probleme bei Billigfluggesellschaften: Gestresste Kunden

    So sorglos die Billigflieger mit ihrem Personal umgehen, so schlecht ist auch der Service für die Passagiere. Neben dem erwähnten Verzicht auf jeglichen Komfort sorgen vor allem der schlechte Kundenservice und die meist versteckten Zusatzgebühren für Unmut. Gebühren für Sitzplatzreservierungen und Gepäck sowie Extrakosten für die Bedienung am Schalter und das Zahlen mit Kreditkarte, obwohl es nur diese Option gibt, erwarten den Fluggast vor und während seiner Reise. Sollte dabei etwas schiefgehen – von Flugverspätungen über verlorene Gepäckstücke und verpasste Anschlussflüge bis hin zum kompletten Flugausfall – muss der Passagier sich seinen Anspruch auf Entschädigung bei den Billigfliegern oft regelrecht erkämpfen. Obwohl die Rechte der Fluggäste in der europäischen Fluggastrechtverordnung klar geklärt sind. Kunden-Hotlines sind überstrapaziert, die Fluglinie ignoriert die Anfragen des Kunden oder versucht ihn einzuschüchtern. Die Liste an Verfehlungen ist über die letzten zwei Jahrzehnte sehr lang geworden.

    Billigflieger vs. Linienflug

    Leider wird die Trennung von Billigfliegern von klassischen Fluggesellschaften zusehends schwieriger. Letztere haben durch den harten Wettbewerb mehr und mehr Tricks von den Low-Cost-Airlines übernommen. Das gilt vor allem für die Einführung von Zusatzgebühren für Gepäck, Sitzplatzreservierung und zusätzlichen Komfort. Auch strukturell wird eine Unterscheidung schwieriger. So hat Lufthansa mit Eurowings seine eigene Billigflugsparte, Joon und Hop! fliegen unter der Flagge von Air France. Der Grundstein für diese Entwicklung wurde 2008 durch die weltweite Finanzkrise gelegt. Viele Firmen mussten bei den Geschäftsreisen ihrer Angestellten sparen und verzichteten entweder auf die Business-Class oder entschieden sich gleich für einen Billigflieger. Diese Einstellung etablierte sich und hielt auch nach dem Konjunkturwachstum ab 2010 weiter an. So fand eine Art schrittweise Konversion des Flugmarktes statt.

    Europäische Billigflieger

    Ryanair

    Die Fluggesellschaft Ryanair hat besonders durch ihre aggressive Werbung und durch die Polemik ihres CEOs Michael O’Leary Aufmerksamkeit erlangt. Dieser ist seit 1993 auf seinem Posten und vertritt eine äußerst kompromisslose Sparpolitik in allen Bereichen. Gegründet wurde Ryanair aber 1984 von Tony Ryan in Dublin als Regionalfluggesellschaft. Das Geschäft war jedoch sehr verlustreich und so machte O’Leary als neuer CEO eine Billigfluggesellschaft nach Vorbild von Southwest Airlines aus ihr. Ryanair ist das zweitgrößte europäische Flugunternehmen mit ca. 1.600 Flugstrecken und 86 Basen in 34 Staaten. Die Flotte umfasst 439 Maschinen und 135 Weitere sind bestellt. Die Airline versuchte mehrfach Aer Lingus zu übernehmen, was von verschiedenen Institutionen aus kartellrechtlichen Gründen verhindert wurde, da Ryanair dann 80 % des irischen Flugverkehrs kontrolliert hätte. 2018 kaufte das Unternehmen sich dann mit einer 75 % - Beteiligung bei der Fluggesellschaft Laudamotion ein.

    easyJet

    Die britische Fluggesellschaft mit Sitz in Luton bei London existiert seit 1995 und verfügt über drei Tochterunternehmen. Ihre Flotte umfasst 317 Flugzeuge und 123 Weitere sind bestellt. 1999 wurde das Flugunternehmen zum Londoner Unternehmen des Jahres und zur Besten Low-Cost-Airline gewählt. 2002 übernahm sie die Fluggesellschaft Go Fly und trat 2004 in den deutschen Flugmarkt ein. Sie führte im selben Jahr als erstes Flugunternehmen die Selbst-Check-In-Automaten ein. 2007 kaufte sie auch GB Airways auf, um ihre Marktmacht und ihre Kapazitäten am britischen Flugmarkt auszubauen. Seither gilt sie als drittgrößter Billigflieger und viertgrößte Fluggesellschaft in Europa.

    2010 trat der Gründer Stelios Haji-Ioannou von seinem Posten als CEO zurück, da er angeblich die weitere Expansionspolitik von easyJet nicht mehr gutheißen konnte. Nach der Air Berlin-Pleite 2017 übernahm easyJet für 40 Mio. € Teile des Geschäftes von der insolventen Airline. Durch den Brexit ist das Unternehmen nun genötigt, einen zweiten EU-Firmensitz in Österreich aufzubauen, da es befürchtet, seine europäischen Flugverkehrsrechte mit dem Verbleib in Großbritannien zu verlieren. Daher siedeln sie das Europa-Geschäft um. Zuletzt gab sich der Billigflieger überraschend ökologisch bewusst und nachhaltig. Nach eigenen Angaben überwachten sie ihre Schadstoff-Emissionen sehr genau und würden 27 % weniger Schadstoff pro Sitzplatz emittieren als die übrigen Fluggesellschaften. Anders als sonstige Billigflieger nutzt easyJet vorrangig große internationale Flughäfen.

    Norwegian Air Shuttle

    Das norwegische Flugunternehmen wurde 1993 als Regionalflieger gegründet. 2002 kam der Umschwung zum Billigflieger auf nationaler Ebene. 2003 begann die Fluggesellschaft aber schon sein Streckennetz nach Spanien, Portugal, England und Schweden zu erweitern. 2007 übernahm sie dann die schwedische Fluglinie Fly Nordic. Um einen reibungslosen Verkehr gewährleisten zu können und für zukünftiges Passagieraufkommen gewappnet zu sein, wurde 2012 entschieden, die Flotte massiv auszubauen. So wurden 108 Boeing 737 Max 8 bestellt. Aktuell befinden sich inklusive der sechs Tochtergesellschaften 174 Maschinen in der Flotte und 176 Weitere sind bestellt. Im gleichen Jahr wie die Bestellungen wurde auch die erste Basis in Bangkok mit dem Ziel eröffnet, zukünftig mehrere Boeings inklusive Personal dort zu stationieren, um Kosten zu sparen. 2017 warben sie 140 Piloten des Konkurrenten Ryanair ab.

    Heute betreibt die Low-Cost-Airline 21 Basen auf allen Kontinenten außer Australien und organisiert den Flugverkehr über und mithilfe von ihren sechs Tochterfirmen. Trotz der umfassenden Expansionspläne wurde Anfang 2019 bekannt, dass mehrere Basen geschlossen oder reduziert werden müssten, da die Airline durch die umfangreichen Investitionen hoch verschuldet sei. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten im Billigflug-Segment spezialisiert sich NAS auf Langstreckenflüge. Die Umsetzung des Low-Cost-Konzeptes auf Langstreckenflüge ist dabei nicht ganz einfach. Langstreckenflieger müssen beispielsweise länger am Boden bleiben als Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge, was zu höheren Standkosten führt. Somit ist es schwieriger, Tickets für ein niedriges Budget anzubieten.

    Vueling

    Die 2004 gegründete Airline konzentrierte sich ebenfalls in ihrer Startphase auf inländische Flüge, bevor sie sich dem internationalen Flugverkehr widmeten. Sie fusionierten 2008 mit Clickair und profitierten 2012 von der Insolvenz der Spanair, da sie sich dadurch große Kapazitäten auf dem nationalen Flugmarkt sichern konnten. 2013 wurde sie dann ihrerseits durch eine Mehrheitsbeteiligung von der IAG, der International Airline Group, übernommen. Massive Störungen im Flugverkehr setzten der Fluggesellschaft 2016 sehr zu. Aufgrund der Menge an Flugausfälle und Verzögerungen kam es sogar zu einem Tumult unzufriedener Fluggäste am Flughafen in Barcelona, die ihrem Ärger Luft machten und nur mithilfe der Polizei beruhigt werden konnte. Daher strich Vueling für 2017 zahlreiche Strecken bis sie wieder einen reibungslosen Flugverkehr zweifelsfrei gewährleisten können. Doch fehlendes Personal und zu wenig Maschinen verhindern derzeit noch die Expansion der Billigfluggesellschaft. Sie verfügt über eine Flotte von 119 Flugzeugen und 37 Weitere sind in Bestellung. Sie operiert von 19 Basen in fünf verschiedenen Ländern aus.

    Wizz Air

    Die als Wizz Air Hungary Ltd. 2003 in London gegründete Airline ist die wichtigste Low-Cost-Airline in Mittel- und Osteuropa und die größte Airline Ungarns. Sie unterhält 28 Basen in europäischen Ländern und eine Flotte von 100 Maschinen. Offensichtlich will das Unternehmen stark wachsen, da es 261 neue Flugzeuge bei Airbus bestellt hat. Zu Beginn wirtschaftete das Flugunternehmen stark defizitär, was von den Betreibern auf das starke Wachstum und die damit verbundenen Investitionen zurückgeführt wurde. Durch die Schließung des ukrainischen Tochterunternehmens aufgrund der Ukraine-Krise verfügt Wizz Air nur noch über vier statt fünf Tochterfluggesellschaften. Als einzige Low-Cost-Airline bietet sie Flüge nach Dubai an.

    Sofortentschädigung bei Flugstörung

    1. Entschädigung prüfen

      Erfahren Sie mit unserer kostenlosen Prüfung, ob eine Sofortentschädigung in Ihrem Fall möglich ist. Ihr Recht gilt bis zu 3 Jahre rückwirkend.

    2. Fall übergeben

      Vervollständigen Sie Ihre Informationen und übergeben Sie uns Ihren Fall in wenigen Minuten bequem online.

    3. Auszahlung

      Wir zahlen innerhalb von 24 Stunden nach Auftragsbestätigung an Sie aus. Das beste daran: Sie dürfen das Geld behalten – egal, wie der Fall später ausgeht.