Neue Zweifel an BER Eröffnung 2020

Veröffentlichung von Insider-Berichten legt Pfusch beim Brandschutz nahe

Die Brandschutzauflagen werden erneut zur Achillesferse für das Flughafen-Projekt BER. by Jens Schöffel// pixabay
Inhaltsverzeichnis
    Ein Schlagabtausch zwischen ARD Kontraste, RBB24 Recherche und Spiegel auf der einen und den Flughafen-Betreibern auf der anderen Seite sorgt für Verwirrung, ob die Eröffnung des BER weiterhin 2020 stattfinden kann oder nicht.

    Sieben Jahre nach geplatzter Eröffnung neue Zweifel

    2012 war es, als die Eröffnung des BER Flughafen vier Wochen vor Inbetriebnahme abgesagt wurde. Der Flughafen scheiterte an der Zulassung der Brandschutzanlage. Vorher war der Eröffnungstermin schon zweimal verschoben worden. Nun zum dritten Mal. Und weitere Verschiebungen folgten. Wird sich das Scheitern des polarisierenden Milliarden-Projektes im nächsten Jahr wiederholen? Besonders makaber: Es sind erneut die Brandschutzbestimmungen, die den Flughafen-Betreibern Sorgen bereiten. Doch von Seiten der Flughafen Berlin Brandenburg Gesellschaft ließ man bisher nicht die geringsten Zweifel am Starttermin 2020 aufkommen. Noch im April sagte Flughafen-Chef Engelbert Lütdke Daldrup: „Wir werden den Oktober 2020 einhalten. Der Fortschritt in den letzten vier Wochen war gut. Insofern habe ich sehr viel Zuversicht."

    Angebliche Insider-Informationen von ARD und RBB24

    Das ARD-Magazin Kontraste und RBB24 Recherche veröffentlichten letzte Woche Mitteilungen, nach denen der Eröffnungstermin des Sorgenkindes BER erneut auf wackligen Füßen stehen würde. Die beiden Nachrichtensender stützten sich auf Informationen zweier Insider, die offensichtlich Einblick in den Stand der Baumaßnahmen des BER besitzen. Auch von anderen Stellen wurden im Zusammenhang der Mitteilungen Zweifel laut. So bekundet Stefan Loge (SPD), dem das zuständige Bauordnungsamt für den BER im Landkreis Dahme-Spreewald untersteht, „Magengrummeln“. Er spüre ein „Dèja-vu“ auf ihn zukommen. Der Spiegel zitierte den Flughafen-Chef Daldrup von einem Treffen mit Regierungsvertretern mit den Worten: „Die ursprüngliche Sicherheit des Eröffnungstermins im Oktober 2020 kann heute nicht mehr uneingeschränkt garantiert werden.”

    Problem eins: Der Medienkanal

    Nach Informationen der Nachrichtenmagazine stelle ein 40m langer Kabelkanal ein großes Problem dar. Denn dieser müsste aufgrund der fehlerhaften Konstruktion aus Kalkstein komplett zurückgebaut werden. Der Kalkstein sei porös und nicht ausreichend hitzebeständig, sodass einerseits keine Verankerung an den Wänden zur Stützung der Kabeltrassen angebracht werden können. Zum Anderen würde im Brandfall der Kalkstein durch die Hitze aufplatzen und die gesamte Konstruktion gefährden. Die Rückbaumaßnahmen würden zwei bis drei Monate andauern und dadurch den Zeitplan der Eröffnung durcheinanderbringen. Im Kabelkanal verlaufen wichtige Strom- und sicherheitsrelevante Brandmeldekabel.

    Problem zwei: Die falschen Dübel

    Der Brandschutz stellt auch bei dem zweiten Problem eine große Hürde dar: So sind den Informationen eines zweiten Insiders zufolge, die falschen Dübel bei den Kabeltrassen und -aufhängungen verbaut wurden. 20.000 Stück an der Zahl, die alle keine Brandschutzzulassungen bekämen und deshalb wahrscheinlich ausgetauscht werden müssen. Die Dübel seien aus Plastik und damit nicht geeignet, um weder die entsprechenden Konstruktionen zu tragen noch einen Brand auszuhalten. Offenbar warte die Betreibergesellschaft FBB trotzdem auf Sondergenehmigungen durch die Brandenburger Bauaufsicht. Stefan Loge, der verantwortliche Bauaufsichtsleiter, schließt jedoch aus, Genehmigungen für nicht tragbare Konstruktionen auszustellen: „Auch an mehreren tausend Plastikdübeln kann ein Flughafen scheitern.“

    FBB wirft ARD Kontraste & Partnern falsche Berichterstattung vor

    Die Betreibergesellschaft des BER ist brüskiert: Der Eröffnungstermin im Oktober 2020 sei keineswegs nach derzeitigem Stand gefährdet. Den Vorwurf über eine Gefährdung des Termins durch den Austausch von Dübeln und aufwendige Reparaturen an einem Kabelkanal wiesen sie in einer offiziellen Stellungnahme an die ARD zurück. Das Problem mit den Dübeln werde bis Ende Mai behoben sein und am besagten Kabelkanal müsse nur eine Kabelpritsche verbreitert werden. Kein Grund zur Sorge also. Lesen Sie selbst die Stellungnahme:

    Stellung BER zu den Vorwürfen der ARD und des RBB in ihrer Berichterstattung
    Die Stellungnahme der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH gegenüber der ARD https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/flughafen-berlin-baumaengel-101.html

    Falsche Informationen der Berichte oder wirklich Pfusch am Bau?

    Was ist jetzt richtig? Die offizielle Stellungnahme der FBB oder die Berichte der Insider? Versucht die Betreibergesellschaft ein milliardenschweres Fiasko zu vermeiden und geht dabei ein Risiko für zukünftige Mitarbeiter und Fluggäste ein?
    Weitere Zweifel an den Aussagen der FBB streut ein Bericht des TÜV Rheinlands ein: Demnach weise die BER-Baustelle bislang noch 9.357 wesentliche Mängel allein im Bereich der Sicherheitstechnik auf (Stand Anfang März 2019). Weitere Nachrichtenmagazine wiesen darauf hin, dass das Problem der Plastikdübel laut ihrer Recherche schon 2012 vom TÜV bemängelt wurde. Der Mangel ist also schon seit sieben Jahren bekannt, aber erst jetzt wird scheinbar etwas dagegen unternommen.

    So sehr man also das Vertrauen des brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) in die Geschäftsführung des BER auch teilen möchte, so sehr bleiben doch viele Fragen und Zweifel, ob der Eröffnungstermin im Oktober 2020 noch haltbar ist.

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